Gutachten

Gutachten

Immer wieder werde ich nach der Erstellung eines Gutachtens gefragt. Hierzu möchte ich Ihnen einige grundlegende Informationen geben.

Bei der Frage, ob eine Behandlung richtig war, vielleicht weitere Therapien notwendig sind oder eine Krankenkasse die Kostenübernahme ablehnt, besteht manchmal Uneinigkeit.

In allen Streitfragen empfehle ich, zunächst das Gespräch mit den Beteiligten zu suchen, die eigene Situation bzw. die, Ihres Kindes darzustellen und nach einer für alle Seiten guten Lösung zu suchen. Häufig lassen sich im Gespräch Missverständnisse ausräumen oder Fragen klären.

Manchmal kann es sinnvoll sein, eine neutrale Person (z.B. einen Freund, einen Verwandten oder jmd., der nicht unmittelbar betroffen ist) zu einem Gespräch mitzunehmen.

Bei allen Ärztekammern in Deutschland gibt es Schlichtungsstellen zur Begutachtung ärztlicher Behandlungen. Diese helfen häufig, Ungereimtheiten oder strittige Fragen zu klären und eine Lösung zu finden. Das Verfahren ist grundsätzlich für die Patiente kostenfrei, die Kosten übernehmen in der Regel die Haftpflichtversicherungen. Sollte hier keine Einigung erzielt werden, können Sie dennoch alle rechtlichen Schritte beschreiten. Nähere Auskünfte erteilt gerne die zuständige Ärztekammer.

Wenn keine Einigung erzielt werden kann, kann es notwendig sein, eine offizielle Stellungnahme vorzulegen. Hier gibt es verschiedene Formen der ärztlichen Stellungnahme, die ich im Folgenden kurz darstellen möchte:

1. Zweite Meinung
Wenn Sie der Meinung sind, dass es vielleicht zu einer vorgeschlagenen Behandlung Alternativen gibt oder Sie einfach eine andere Meinung hören möchten, können Sie sich an einen Arzt Ihres Vertrauens wenden, der möglichst im selben Fachbereich (z.B. Kinderarzt) tätig ist. Bringen Sie, wenn möglich alle Unterlagen, die Sie haben, mit. Alternativ können vorhergehende Befunde auch angefordert werden.

2. ärztlicher Befundbericht
Zum Beispiel zur Beantragung einer Therapie oder Reha-Maßnahme ist es manchmal sinnvoll oder notwendig, dass Sie einen Bericht über die Erkrankungen, Einschränkungen und/oder Probleme Ihres Kindes vorlegen oder diese werden von der entsprechenden Stelle angefordert.
In der Regel stellt Ihr Kinderarzt diesen Bericht aus, er beinhaltet die Diagnosen und die derzeitige Therapie und ggf. eine Empfehlung zur Behandlung, wie Ihr Kinderarzt sie für sinnvoll hält.
Die Kosten liegen bei ca. 20 – 50 Euro und zahlt derjenige, der den Bericht in Auftrag gibt.

3. ärztliche Stellungnahme
Dies ist eine ausführliche Stellungnahme zu Behandlung, einschließlich Ursachen, Begleitumständen, Verlauf, derzeitige Therapie, Prognose etc. Diese Stellungnahme soll die Erkankung umfassend und neutral, nach ärztlichem Standard darstellen, auch auf mögliche Alternativen, Risiken etc. eingehen.

Eine ärztliche Stellungnahme wird häufig von Versicherungen, Behörden etc. verlangt, um eine Entscheidung zur Kostenübernahme treffen zu können, meistens wird sie vom behandelnden Arzt erstellt. Die Kosten liegen bei ca. 100 Euro und werden vom Auftraggeber getragen.

4. medizinisches Gutachten
Ein medizinisches Gutachen befasst sich ausführlich mit einer festgelegten Fragestellung, stellt alle relevanten Daten/Tatsachen (in verständlichem Deutsch) dar und beantwortet die vorgegebenen Fragestellungen. Hierbei ist der Gutachter zur Neutralität verpflichtet, d.h. weder das Patienteninteresse noch das Interesse der Gegenpartei (Arzt, Vericherung, Behörde etc.) darf hierbei eine Rolle spielen. Wesentich sind allein die (dokumentierten) Tatsachen und der Stand der medizinischen Wissenschaft.

Hieraus ergibt sich, dass der Gutachter neutral ist, d.h. in der Regel weder behandelnder Arzt des Patienten ist, noch in einem abhängigen Verhältnis zur Gegenseite steht, also nicht in dem Krankenhaus arbeitet oder gearbeitet hat, das die fragl. Behandlung vorgenommen hat, nicht für die fragl. Versicherung arbeitet, nicht bei der entsprechenden Behörde arbeitet usw. Selbstverständlich darf auch keine verwandschaftliche oder enge persönliche Beziehung zu den Beteiligten bestehen.

Der Gutachter muss in dem zu begutachtenden Bereich tätig sein oder gewesen sein und eine entsprechende Qualifikation besitzen, also beispielsweise Facharzt für Kinder- & Jugendmedizin sein, Erfahrung in Intensivmedizin besitzen oder ähnliches.

Im medizinischen Bereich gibt es keine explizite Qualifikation oder Ernennung/staatl. Anerkennung als medizinischer Gutachter, wie dies in anderen Bereichen (Bau, KFZ) vorgesehen ist.

Das medizinische Gutachten bezieht sich immer auf eine konkrete Fragestellung, z.B. war die durchgeführte Therapie bei den vorhandenen Befunden richtig, in der Regel werden die zu beantwortenden Fragen im Gutachtenauftrag detailliert aufgeführt, je nach Auftrag ist eine Untersuchung des Patienten notwendig oder das Gutachten wird als Aktenlagengutachten erstellt.

Der Gutachter stellt den Krankheitsverlauf dar und beantwortet die Fragen nach dem dem Stand der medizinischen Wissenschaft, ohne Rücksicht auf die Interessen der beteiligten Parteien oder möglicher finanzieller Konsequenzen, sondern nach rein medizinischen Kriterien.

Die Bewertung des Gutachtens und weiterer Informationen und die Entscheidung, z.B. zur Leistungspflicht entscheidet dann der Auftraggeber, z.B. das zuständige Gericht.

Die Kosten eines medizinischen Gutachtens werden nach dem Justizentschädigungsgesetz nach Aufwand in Rechnung gestellt, die Kosten übernimmt der Auftraggeber, sie liegen meistens bei mindestens 500 Euro, ein oder mehrere Tausend Euro sind keine Seltenheit.

Sofern Sie ein Gutachten in Auftrag geben möchten, können Sie mich gerne kontaktieren, um das weitere Vorgehen zu besprechen und die Kostenübernahme zu klären.

Anmerkung: Gelegentlich liest man, Gutachten würden nur für die Patientenseite oder nur für die ärztliche Seite oder Versicherungsseite o.ä. erstellt. Gutachten sollen aber nicht die Interessen einer Partei berücksichtigen oder in den Vordergrund stellen, sondern grundsätzlich neutral sein, d.h. nach dem aktuellen Wissensstand alle Tatsachen berücksichtigen, unabhängig einzelner Interessen.

Das Ergebnis eines Gutachtens kann in der Regel erst nach ausführlicher Durchsicht aller Unterlagen und ggf. zusätzlicher Recherche festgelegt werden. Daher kann das Ergebnis nicht vorher festgelegt werden oder ein Gutachten mit einem bestimmten Ergebnis im Auftrag vergeben werden.

Ggf. können mögliche Ergebnisse im Vorfeld besprochen werden, so dass der Gutachtenauftrag erst dann vergeben wird.